Bronzezeitlicher Zinnseifenbergbau
Die Animation zeigt eine erste vorläufige Rekonstruktion eines Zinnseifenbetriebes in der Bronzezeit. Sie basiert auf den bisherigen archäologischen Untersuchungen von Zinnseifen, die im Rahmen des Projekts ArchaeoTin im Erzgebirge insbesondere an den Fundstellen Schellerhau bei Altenberg und Sauschwemme bei Johanngeorgenstadt durchgeführt wurden. Dort gelang den Forschern des Projekts ArchaeoTin unter der Leitung des Landesamtes für Archäologie Sachsen ein bedeutender Fund: Endlich konnte die langjährige Hypothese bestätigt werden, dass Zinn während der Bronzezeit auch im Erzgebirge abgebaut wurde. Während das Kupfer als Hauptbestandteil von Bronze in Mitteleuropa aus den Südostalpen bzw. den Westkarpaten stammte, kam das Zinn aus dem Erzgebirge. Bronze besteht aus 9 Teilen Kupfer und 1 Teil Zinn.
Der animierte Flug zeigt zu Beginn die Landschaft und die Vegetation in der Umgebung einer Zinnseife. Die Berglandschaft des Erzgebirges, in der Zinn gewonnen wurde, war in der Bronzezeit dicht mit Nadelwald – zumeist Tannen und Fichten – bewachsen. Bei der Einrichtung der Zinnseife mussten diese abgeholzt wobei das Holz für die Herstellung von Gebäuden, Rinnen und Waschkästen aber auch von Holzkohle verwendet wurde. Für das Ausseifen (Waschen) des zinnhaltigen Minerals Kassiterit aus dem abgebauten Sediment wurde viel und ständig zulaufendes Wasser benötigt. Dieses wurde in die Waschstelle geleitet, indem ein Bach aufgestaut und das Wasser über künstliche Gräben und Rinnen an den Ort geführt wurde. Dem eigentlichen Abbau des zinnhaltigen Sediments ging die Suche danach voraus. Diese erfolgte sowohl mit Hilfe einer Waschpfanne in den Flüssen und Bächen des Erzgebirges als auch durch einfache Prospektionsgruben. Der Abbau des zinnhaltigen Sediments erfolgte dann entlang der der Seifenbrust (Abbaukante). Man muss sich diese als ein bis etwa drei Meter hohe Wand mit evtl. stufenartigen Vorsprüngen vorstellen, auf denen die Bergleute stehen konnten. Mit Hilfe von Geweihpicken und einfachen Holzwerkzeugen hackten sie das kassiterit-haltige Sediment von der Kante ab. Die Bergleute konnten das körnerförmige Kassiterit (auch Graupen genannt) teils schon an dessen rötlicher Farbe darin ausmachen. Das Sediment wurde anschließend durch Auswaschen und Entfernen von taubem Material und Gesteinsbrocken in den künstlichen Wassergräben weiterbearbeitet. Dies erfolgte nach dem Prinzip der Schweretrennung (Gravitation) da Kassiterit schwerer als das taube Sedimentmaterial ist. Der nächste Schritt erfolgte mithilfe von Holzrinnen, die das zinnhaltige Material in Holztröge leiteten, wo das Kassiterit (auch Zinnstein genannt) immer weiter ausgewaschen wurde.
Danach wurde der gewaschene Zinnstein mit Klopf- und Mahlsteinen zerkleinert und gemahlen und im Anschluss in einfachen Öfen geschmolzen und in der Form von Zinnbarren gegossen. Diese wurden dann gegen andere Waren wie beispielsweise Kupfer, Gold oder Bernstein eingetauscht. Die Schmelzöfen standen direkt neben der Zinnseife. Hier befanden sich auch einfache Holzhütten, in denen die Bergleute mit Ihren Familien saisonal lebten. Deren Heimatsiedlungen lagen vermutlich im Vorland des Erzgebirges oder entlang der Elbe. Die Bergleute dürften sich im Wesentlichen auch selbst versorgt haben und hielten sich zu diesem Zwecke einige Rinder, Schafe und Gänse.
Zinnwäsche in Carlsfeld
Der Ort Carlsfeld bei Eibenstock im westlichen Erzgebirge. Der Carlsfelder Talsperre, auch Weiterswiese- oder Wilzsch-Stausee genannt, wurde 1927 auf einer Höhe von 900 m ü. NN an der Wilzsch, einem Nebenfluss der Zwickauer Mulde, errichtet. 2010 wurde der Damm saniert, wobei das Wasser der Talsperre abgelassen wurde. Die Wiltzsch verlief nach der Trockenlegung wieder ihrem alten Flussbett. Die Baumaßnahme wurde archäologisch vom Landesamt für Archäologie Sachsen begleitet.
Die archäologischen Untersuchungen haben am Grund der trockengelegten Talsperre Überreste von Holzkonstruktionen freigelegen können, darunter auch fanden sich entlang des südlichen Flussufers noch in situ befindliche und gut erhaltene Holzkonstruktionen, u. a. hölzerne Wasserbecken, die mit einem Zuflusskanal verbunden waren. Zwei dieser freigelegten Holzbecken hatten die Maße 160 x 80 cm und 130 x 90 cm. Auch fanden sich Holzrinnen sowie Querbalken im Flussbett. Die gesamte Befundsituation sowie die Funde selbst lassen sich als Überreste einer sogenannten Zinnwäsche zuordnen, die aufgrund der dendrochronologischen Datierung der Hölzer in das 16. Jahrhundert datiert.
Diese Animation entstand unter zur Hilfenahme entsprechender zeitgenössischer Abbildungen aus Georg Agricolas „De re Metallica“ und zeigt eine Rekonstruktion, wie die durch archäologische Forschungen freigelegte Zinnwäsche vor 500 Jahren ausgesehen haben könnte. An einem Seitenarm des Flusses Wilzsch sehen wir eine Gruppe von Seifnern bei der Arbeit, am gegenüberliegenden Ufer entstehen Abraumhalden. Diese sogenannten Raithalden sind enthalten das aus zinnhaltigen Sediment ausgewaschene taube, erzlose Material und stellen montanarchäologisch die häufigsten Überreste des Zinn- oder auch des Goldwaschens dar. In der Nähe der Waschstelle steht eine Holzhütte, in der die Bergleute saisonal übernachten, aber auch kochen und ihre Werkzeuge lagern. Vor der Hütte prüft ein Bergmann mit Hilfe eines Feinsiebes über einem Wasserfass den Zinngehalt des abgebauten Sediments. Neben der Hütte finden Zimmermannsarbeiten statt, wie bspw. die Herstellung von Brettern für den Damm, von Waschrinnen oder der Holzbecken und Waschtröge. Oberhalb des Baches wird aus gefällten Bäumen ein Damm errichtet, mit dem der Wasserzufluss reguliert wird. Nicht weit davon entfernt befindet sich auch ein Abbauareal, an dessen Abbaukante das zinnhaltige Sediment abgebaut wird. Dieses wird dann mit Schubkarren zur Wäsche transportiert. Das durch den Damm gestaute Wasser wird über künstliche Wassergräben in die Waschrinnen und Waschtröge geleitet. Im Bach arbeiten Männer und Frauen mit der Seifengabel, um taubes Gestein, Lehm oder Sand vom zinnhaltigen Material. Träger des Zinns ist das Mineral Kassiterit, das in Form von Körnern, auch Graupen genannt vorkommt. Die Kassiterit-Graupen werden anschließend in Rinnen und Holzbehältern aus dem Sediment weiter ausgewaschen. Dabei setzt sich das schwerere Kassiterit nach dem Schwerkraftprinzip in den Waschrinnen und Waschbehältern ab, wobei eine geringe Menge nicht aufgefangen und in Form von Schlamm entweicht. Der Schlamm wird daher nochmals mit Hilfe eines feinen Siebs in Holzfässern gewaschen. Zu beachten ist, dass bei den sehr anstrengenden Arbeiten sowohl Frauen als auch Männer mitarbeiten. Schließlich wird der gewaschene Kassiterit entnommen und zur weiteren Verarbeitung in die Schmelzhütte, die sogenannte Zinnflöße, geschickt, wo nach Entfernung unerwünschter Beimischungen das Reinzinn hergestellt wird, das zu Zinnballen für den Transport geformt weiterverhandelt wird.
„Unheimliches in Dipps“ Die Junior-Welterbebotschafter
Die Gruppe der Junior-Welterbebotschafter gibt es in Dippoldiswalde seit 2022. Sie ist aus dem Projekt ArchaeoMontan@School des Landesamtes für Archäologie Sachsen hervorgegangen und besteht aus Schülerinnen und Schülern der Dippoldiswalder Schulen. Jedes Jahr finden verschiedene Aktionen und Veranstaltungen mit und für die Junioren statt. Im August 2024 entstand ein kurzer Film, den acht Jungen aus der Gruppe selbst gestaltet und gedreht haben – vom Drehbuch über die Dialoge, die Gestaltung der Figuren und die Dreharbeiten in der Stadt und im MiBERZ bis hin zum Zeichnen der Szenerien, dem Sprechen der Texte, der Musikauswahl sowie dem Vor- und Abspann. Der Film erzählt die Geschichte eines kleinen Berggeistes, der nach über 800 Jahren durch das Hochwasser im Jahr 2002 aufgeweckt wird. So erfahren die Filmzuschauer ganz nebenbei, was unter Dippoldiswalde in den mittelalterlichen Bergwerken gefunden wurde, und werden dadurch auch auf Dippoldiswalde sowie das Museum für mittelalterlichen Bergbau im Erzgebirge (MiBERZ) neugierig gemacht.
