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Auf den Spuren der mittelalterlichen Krisen

© LfA Sachsen, Knut Kaiser (GFZ Potsdam) untersucht eine holzkohlereiche dunkle Schicht, die mit der Siedlungszeit in Verbindung steht

Die Entwicklung des ländlichen Raumes im Erzgebirge ist seit dem Mittelalter eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung verknüpft. Technologische Umbrüche oder wirtschaftliche Krisen konnten daher dazu führen, dass wegen des Wegfalls der wirtschaftlichen Grundlage Dörfer endgültig verlassen wurden. Nur unscheinbare kleine Planierungen und Wege im heutigen Forst und gelegentlich noch ein alter Flurname erinnern an diese alten Dorfareale. Heute werden sie als "Wüstungen" bezeichnet. Für die Archäologie und die Umweltforschung bieten diese Fundstellen ein hohes Potenzial zum Verständnis der mittelalterlichen Siedlungsdynamik und der Auswirkung von Krisenphänomenen.

In Zusammenarbeit mit Knut Kaiser vom GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) untersuchte das ArchaeoMontan-Team in letzter Woche eine mittelalterliche Wüstung bei Olbernhau im oberen Erzgebirge. Schon die ersten Prospektionen haben gezeigt, dass sich in einer siedlungsnahen Senke zahlreiche Bodenschichten erhalten haben, die menschliche Aktivitäten widerspiegeln. Die bodenkundliche Analyse dieser Schichtenfolge und die Verknüpfung mit zerstörungsfreien archäologischen Methoden helfen, erstmals detaillierte Einblicke in das Entstehen, die wirtschaftlichen Aktivitäten und das Ende einer mittelalterlichen Siedlung in der Nähe des Erzgebirgskamms zu gewinnen.