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Das Projekt ArchaeoForest: Archäologische Hölzer als Grundlage für zukünftige Entscheidungen über forstwirtschaftliche Anpassungen an den Klimawandel

Übergeordnetes Ziel des Verbundprojektes ArchaeoForest ist eine Verbesserung der Anpassungsfähigkeit von Wäldern an den Klimawandel zur Sicherung der vom Wald erbrachten Ökosystemdienstleistungen als CO2-Speicher, Rohstofflieferant und artenreiches Habitat. Leadpartner des Projektes ist das Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirtschaft (Staatsbetrieb Sachsenforst). Weitere Partner sind das Landesamt für Archäologie Sachsen und das Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald. Ergebnisse des Projektes liefern Langzeitinformationen zur Anpassungsfähigkeit von Waldgemeinschaften und dienen als Grundlage für die Validierung und Modifizierung langfristiger Waldentwicklungskonzepte.

Eine Rekonstruktion der Vegetationszusammensetzung des mittelalterlichen Urwaldes vor und während des hochmittelalterlichen Landesausbaus zur Zeit der so genannten Klimaanomalie zwischen dem 10. und 13. Jh. hilft, menschliche von klimatischen Einflussfaktoren zur trennen. Damit sind Rückschlüsse für eine zukünftige Waldbewirtschaftung angesichts der Herausforderungen des Klimawandels möglich.

Datengrundlage des Projektvorhabens

Wichtigster Baustein für die Projektaktivität bilden Holzfunde aus den mittelalterlichen Bergwerken des Erzgebirges und Untersuchungen an Holzkohlemeilern. Im Verbundprojekt übernimmt Sachsenforst die Ausarbeitung von forstwissenschaftlichen Schlussfolgerungen auf Basis der Untersuchungsergebnisse an vom Landesamt für Archäologie Sachsen bereitgestellten und von der Universität Greifswald detailliert untersuchten archäologischen Holzfunden. Zusammen mit historischen Untersuchungen zu Waldzusammensetzung und Waldverbreitung im Erzgebirge auf Basis historischer Untersuchungen nach Kienitz ist Sachsenforst für die Ausarbeitung von Empfehlungen für die zukünftige Waldbewirtschaftung zuständig.

Archäologische Dokumentation eines Holzkohlemeilers (© LfA).
Räumliche Bezugseinheiten zur Abbildung von historischen Waldstrukturen nach Kienitz 1937 und Beispiele für den Bestockungswandel vom 16. bis zum 19. Jahrhundert am Beispiel der Tanne (© SBS).
Firstverzug aus Tannen-, Fichten-, Eichen- und Buchenholz aus Dippoldiswalde, Teufe etwa 20 m (© LfA/F. Schröder).

Analysenspektrum

Die aus den Bergwerken stammenden gut erhaltenen Holzfunde werden – nach erfolgter dendrochronologischer Bestimmung - einer Holzdichte-Untersuchung mittels Radiologie unterzogen. Die Ergebnisse ermöglichen Rückschlüsse auf Art, Alter, Klima und Provenienz der Hölzer. Ergänzend dazu werden die Artenspektren von Holzkohlen aus Meilern untersucht, die als ultralokale Quelle für die Waldzusammensetzung im direkten Umfeld eines Holzkohlemeilers gelten. Mittels Dendrochronologie und C-14-Datierungen wird dazu das Alter des Meilers bestimmt und in Bezug zum ermittelten Vegetationsspektrum gesetzt. Darüber hinaus werden Rückschlüsse über die regionale Vegetation durch Pollenanalysen angestrebt.

Radiografie eines gut erhaltenen Grubenholzes (Tanne) der Grube Niederpöbel aus dem hohen Mittelalter (1107–1173) sowie zugehörige Ringbreiten und maximale Spätholzdichten (© LfA/J. F. Tolksdorf).
Spätholzdichtechronologie des Erzgebirges und seines Vorlandes im Vergleich mit anderen klimatischen Proxys und Tendenzen der Siedlungsentwicklung (© LfA/J. F. Tolksdorf).
Vergleich der vom Deutschen Wetterdienst ermittelten Temperaturspannweiten von Juni-August zwischen ausgewählten Fundstellen, Streuung der maximalen Spätholzdichte und chronologischer Vergleich der fundstellenbasierten maximalen Spätholzdichten (© LfA/J. F. Tolksdorf).

Dendro-Archiv Sachsen

Das hohe Fundaufkommen von archäologischen Hölzern wirft zunehmend die Frage auf, wie sich diese einzigartigen Umweltarchive für die Zukunft angemessen sichern und zugänglich machen lassen. Gerade die rasante technische und methodische Fortentwicklung lässt prognostizieren, dass in Zukunft die Bedeutung der Quellengattung Holz auch für die forstwissenschaftliche und klimatologische Forschung weiter zunehmen wird. Während für den westdeutschen Raum mit dem im Juli 2016 eröffneten Dendroarchäologischen Klimaforschungsarchiv NRW an der Universität zu Köln eine nachhaltige Verbindung als Langzeitarchiv und Forschungsstruktur geschaffen wurde, fehlt derzeit eine vergleichbare Lösung für die neuen Bundesländer.

Die im LfA gelagerten Holzfunde mit einer absehbaren Eignung als Klima- und Umweltarchiv sollen daher in ein aufzubauendes Dendro-Archiv Sachsen überführt werden, welches langfristig die Funktion eines Forschungsarchivs erfüllen soll. Um eine solche Langzeitlagerung gewährleisten zu können, ist geplant, unter konservatorischen Aspekten die entsprechenden Arbeitsprozesse zu ermitteln.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 24.01.2020

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