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03/25/19 11:55

Vortrag am 01.04.2019: Bronzezeitlicher Bergbau im Erzgebirge

Christiane Hemker und Matthias Schubert vom Landesamt für Archäologie Sachsen stellen die Ergebnisse zum bronzezeitlichen Zinnbergbau im Erzgebirge vor.

Montanarchäologische Untersuchungen in der Fundstelle bei Schellerhau (© LfA Sachsen, Foto: M. Jehnichen)

Der Vortrag findet im Rahmen der gemeinsamen Verbandstagung des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung (85. Jahrestagung) und des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung (24. Jahrestagung) vom 01.04. bis 05.04.2019 in Würzburg statt.

 

Uhrzeit:

Montag, 01.04.2019, 17 Uhr

 

Veranstaltungsort: 

Neue Universität, Sparkassen-Saal

Sanderring 2

Würzburg

Abstract: Bronzezeitlicher Bergbau im Erzgebirge

 

Zinn ist mit dem Aufkommen der ersten Kupfer-Zinn-Legierungen seit der frühen Bronzezeit ein wesentlicher Rohstoff. Trotz starker Indizien fehlten für die bedeutenden Zinnlagerstätten Europas bisher direkte Belege für diese früheste Phase des Zinnabbaus. Die Zinnseifen (Kassiterit) stellten für die bronzezeitlichen Bergleute als sekundäre geologische Lagerstätten leicht zugängliche Quellen dar. Jedoch galt dies auch für den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Seifenbergbau, in dessen Folge prähistorische Spuren stark überprägt oder verwischt wurden.

Die Fundstelle Schellerhau wurde durch das ArchaeoMontan-Team beim Landesamt für Archäologie Sachsen am Oberlauf der Roten Weißeritz auf etwa 750 m am Südhang des Erzgebirgskammes entdeckt. Die Untersuchungen umfassten ein durch hohe Raithalden und Gräben geprägtes Gebiet sowie die flussabwärts gelegenen Sedimentzonen. Der älteste Bergbaunachweis liegt mit einem mit organischem Material versetzten Arbeitshorizont unterhalb einer alten Halde vor und datiert in das 20. Jh. v. Chr.  Die beiden 14C-Datierungen stimmen gut mit der biostratigraphischen Datierung auf Grundlage der Pollenführung überein. Zusätzliche Dünnschliffuntersuchungen belegen zu dem den tiefgründigen Bodenabtrag des verwitterten Granitkörpers, offensichtlich um die Zinnminerale durch Auswaschen aus dieser Verwitterungszone zu gewinnen. Zwei weitere 14C-Datierungen aus einer vergleichbaren stratigraphischen Position erbrachten eine Altersbestimmung aus dem 15./14. Jh. v. Chr. und belegen damit Aktivitäten während der mittleren Bronzezeit. Auf dieser Grundlage kann Schellerhau als der erste unzweifelhafte Nachweis für bronzezeitlichen Zinnbergbau in Europa gelten und bietet neue Ansatzpunkte für die Diskussion von Rohstoffgewinnung, -verarbeitung und –umlauf in dieser Epoche.