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24.06.2019 08:52

Vom Schreibtisch in den Wald – Wie neue und bewährte archäologische Methoden Hand in Hand gehen

Die Arbeit der Montanarchäologie in Sachsen erstreckt sich nicht nur auf Sicherungs- und Dokumentationsmaßnahmen gefährdeter Bodendenkmale, sondern auch auf die Erkundung und Aufnahme bisher unbekannter Fundstellen. Hilfreich sind dem Archäologen dabei die Daten der Landesvermessung, ein gutes Auge und eine gewisse Ausdauer, wenn es gilt, das teils unwegsame Gelände im Erzgebirge zu begehen.

Von: K. Cappenberg M. A., Dipl.-Ing. (FH) F. Schröder, N. Illius B. A.

Panoramaaufnahme der Topografie des Untersuchungsgebietes (© LfA).

Das Untersuchungsgebiet im Schummerungsmodell der Lidar-Aufnahme. Die Pfeile markieren die Ansichten der unten dargestellten Drohnenfotos auf die Zinnklüfte (© GeoSN und LfA).

Mittels Drohnenaufnahme ist es u. a. möglich, Fotos aus ungewohnten Perspektiven zu erstellen – wie hier über den Baumwipfeln der die Pinge umsäumenden Fichten in nordwestlicher Blickrichtung (© LfA).

Oder hier als Ansicht Richtung Nordosten (© LfA).

Die Beprobung der verdächtigen Fläche ergab: Ein Holzkohlemeiler, der in den Lidar-Daten nicht sichtbar war (© LfA).

Moderne, flexibel einsetzbare Hilfsmittel wie die Luftbildfotografie mittels Multikopter sind dabei ebenso Teil der Arbeit wie die Auswertung der Geländeoberflächenmodelle, die der Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung bereit hält. Diese so genannten digitalen Geländemodelle werden mit einem Laserimpulsverfahren (Lidar, light detection and ranging) gemessen und machen es möglich, moderne Vegetation wie Baumbewuchs herauszufiltern. Was übrig bleibt, ist die Oberfläche des Geländes, in der sich eben aufgrund des dichten Bewuchses, weitestgehend verschont von moderner Bewirtschaftung, Spuren menschlicher Aktivität erhalten haben können. Wenn nun ein Gebiet mit erfolgsversprechenden Strukturen ausgemacht worden ist, müssen diese verifiziert werden: Handelt es sich wirklich um archäologisch relevante Bodendenkmale oder, wie oft im Erzgebirge, um Spuren der modernen Forstwirtschaft oder des jüngeren Bergbaus?

Anfang Juni begab sich ein Team der Montanarchäologie in die Gegend westlich von Schmiedeberg, Ortsteil der Kreisstadt Dippoldiswalde, um am Schreibtisch entdeckte verdächtige Oberflächenformen in Augenschein zu nehmen. Neben Felsformationen südlich der „Kupfergrube Sadisdorf“, die als Relikte des historischen Bergbaus anzusehen sind, standen dabei einige potentielle Holzkohlemeiler im umgebenden Wald auf dem Programm.

Die Zinnklüfte sind Relikte historischen Zinnabbaus. Im Vordergrund stand bei der Begehung die Begutachtung des Erhaltungszustandes der Zinnklüfte, da illegale Begehungen und vor allem Mineraliensammler die Substanz der Bergbaurelikte enorm angreifen – so wie es auch leider aktuell wieder sichtbar war.

Ein weiteres Ziel der Begehung waren diesmal atypische Meilerformationen, um eine typologische Ansprache und damit Datierung zu entwickeln. Holzkohlemeiler zeigen sich typischerweise als ringförmige Strukturen mit einem Durchmesser von 10-20 m, die häufig in die Neuzeit datieren. Die Überprüfung möglicher Meilerstandorte im Umfeld der Zinnklüfte förderte eine Vielzahl von Bergbaurelikten, aber kaum Meiler zutage. Am häufigsten dabei traten alte Haldenstrukturen auf, die sich räumlich sehr gut den ebenfalls im Gelände sichtbaren eingebrochenen Stollen (sichtbar z. B. als Pingen) zuordnen lassen.

Schließlich konnte das Team im Gelände eine unscheinbare plattformartige Struktur sichten, deren Beprobung schnell ergab, dass es sich hier um einen Holzkohlemeiler handelt, der fernerkundlich nicht fassbar war.

Die archäologische Erkundung des Gebietes, welches montanarchäologisch vor allem durch die sensationell erhaltenden Befunde des Bergbaus in Dippoldiswalde und entlang des Pöbelbaches in Erscheinung tritt, birgt immer wieder neue Erkenntnisse und bereichert unser Verständnis des jahrhundertealten Miteinanders von Mensch und Umwelt.